CurioVolksfest
Pomerode, eine kleine Stadt im Landesinneren von Santa Catarina, Brasilien. Vermutlich die bis Dato deutscheste Stadt Brasiliens.
‘Pomerode? Da musst du mal hin. das ist wie in Deutschland!’ sagt jeder Brasilianer unaufgefordert, wenn er erfährt, dass man als Deutscher in Brasilien wohnt und noch nicht in Pomerode war. Nun, wir sind schon einmal durch Blumenau gefahren (anhalten hat sich unserer Meinung nach nicht gelohnt, weil es nicht soo deutsch war wie alle gesagt haben). Also waren meine Erwartungen von vornherein nicht sehr hoch. Was mich dann erwartet war dann eine freudige Überaschung. Alles war sehr schön geschmückt und die Farben waren Bayrisch-blauweiß. Alle Pomeroder Jungs tragen Lederhosen und die Mädels Trachten. Eines fällt einem Florianópolis-verwöhntem sofort auf: die Menschen sind (vorsichtig gesagt) ‘weniger schön’. Die Gründe dafür seien dahingestellt. Es gibt die typisch deutschen Gerichte (Gefüllte Gans mit Rotkraut, Eisbein mit Sauerkraut, Kassler mit Sauerkraut, Bratwurst mit Sauerkraut) und natürlich Bier (der marke ‘Antartica’; eine große brasilianische Brauerei). Dazu natürlich auch die Deutschen Nationalsportarten wie ‘Vogelstechen’, ‘Scheibenschiessen’, Holzhacken und -sägen und nicht zu vergessen das überall beliebte ‘Meter trinken’.
Doch bevor sich der Pomeraner in das Bierzelt stürzt bekommt er erstmal den Segen Gottes. Um 11:00 wurde ein evangelischer Gottesdienst gehalten – und zwar auf Pommersch-Platt. Ich vermute die wenigsten die diese Zeilen lesen haben je etwas davon, geschweige denn es selbst, gehört. Nun, es klingt wie das Platt dass man an der deutschen Küste spricht, nur etwas ‘platter’ und es kam mir vor als würde da noch ein Schuss Rheinländer drinn’ stecken. Zwischendrinn sprangen immer wieder ein paar Brocken Portugiesisch dazwischen. Der Gottesdienst war sehr gut besucht. Zum einem war es natürlich eine Attraktion an sich das Platt zu hören, zum anderen sind die Menschen in Brasilien (ob eingewandert oder nicht) alle sehr gläubig. Dennoch bezweifele ich nicht dass mindestens 70% der Zuhörer alles verstanden haben was gepredigt wurde. Zwischen den Predigten wurden Lieder von einem Chor (natürlich in Trachten) gesungen. Im Ganzen war es ein sehr schöner Gottesdienst, dessen Inhalte auch ansprechend und aktuell waren. Und das sagt einer der nur jede 2. Weihnachten in die Kirche geht…
Im Anschluß gingen wir in eine deutsche Gaststätte. Der ‘Wunderwald’ Ein altes Kolonialgebäude mit Fachwerk. Lediglich die Palmen passten nicht so ganz in das gewohnte ‘Fachwerk-Bild’. Man wurde hier mit Akkordeonmsik und Handschlag begrüßt. Im Innern der Gaststätte gab es dann eine kleine Tour (gebaut von XY, diente als Stall, renoviert um 19hundertschießmichtot…). Das erstaunlichste aber war, dass es tatsächlich nach deutscher Küche roch! Und das Essen hätte auch tatsächlich aus irgendeiner deutschen Gaststätte kommen können. Für die Mitreisenden war es natürlich das größte, dass ein Deutscher das Essen als ‘deutsch’ bezeichnet. Die Betreiber des Restaurant waren dan auch glücklich über mein ‘Urteil’. Sobald man hier in Pomerode als Deutscher erkannt wird, wird man nurnoch auf deutsch angesprochen. So auch von der Bedienung vom ‘Wunderwald’. Leider ist deren deutsch aber so schlecht, dass es einem fast leid tut, wenn man dauernd nachfragen muss was er denn von einem will. Nachher sagte Norma (Mari’s Cousine und Leiterin des Ausflugs) noch dass das portugiesisch des Kellners auch nicht so das gelbe vom Ei sei… der arme. Dennoch alles sehr freundliche Menschen.
Danach haben wir noch eine berühmte Porzelanmanufaktur besucht und noch ein paar Marktstände auf dem ‘Stadtplatz’ wo auch zu Ehren des Gründers von Pomerode eine Statue steht.
Auf der Rückfahrt haben wir dann noch an einem Geschäft angehalten, die ‘deutsches Brot’ (etwas dunkleres Toastbrot) und sogar echten Rollmops hatten!
Im ganzen war es das was ich erwartet hatte, zum Teil wurden meine Erwartungen übertroffen (besonders im Kulinarischem). Die eigentliche Feier geht hier erst abend los, wenn sich das Bierzelt füllt und der Bierkonsum steigt. Ich kann mir denken, dass es dann in etwa Oktoberfest-Stimmung erreicht. Das muss dann wohl nächstes Jahr im Selbsttest in Erfahrung gebracht werden…